Was bin ich aufgerufen in dieser Welt zu tun?

Seit meiner Rückkehr aus dem Kloster habe ich viele interessante Gespräche darüber geführt. Nach ein paar Minuten Detailschilderung kommt fast immer die Frage, und warum hast Du das gemacht?

In meiner YogalahrerInnen-Ausbildung hatte ich schon „Feuer 2015-10-25gefangen“ und wollte Schweigen seither einige Tage am Stück erleben. Abgesehen von diesem Wunsch, passt es ganz gut zu der Lebensphase in der ich mich momentan befinde. Ich wollte mir eine kleine Auszeit nehmen, um über den Sinn des Lebens nachzudenken. An diesem Punkt werden die Augen meines Gegenübers meistens groß. „Oje! Sinn des Lebens“, mag der eine oder andere innerlich aufstöhnen. Klar, auch ich habe mich öfter gefragt, ob das nicht absolut intellektueller Luxuskram ist. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Fragen dazu bleiben. Also wollte ich dem ein wenig intensive Investigationszeit widmen. Gleichzeitig wissend, dass nach einer Woche Schweigen – oder was auch immer – nicht alle Fragen beantwortet sind.

Man könnte die Sinnfrage auch als „Aufgabe“ umformulieren. Das ist ganz losgelöst davon, man müsse in diesem Leben eine Aufgabe erfüllen, um wertvoll bzw. geliebt zu sein oder ein sinnvolles Leben zu führen. Zumal sich da auch wieder die Frage stellt, von wem soll diese Aufgabe denn kommen? Das sind interessante Fragen, auf die jeder von uns andere Antwortet findet.

emily-morter-188019-unsplashIch denke, die Sinnfrage kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben auftauchen. Das muss nicht bedeuten, dass das eigene Leben schlecht wäre. Es kann sein, dass man sich diese Frage in schwierigen Zeiten stellt, genauso wie in guten. Mein Leben hat sich die letzten Jahre überhaupt erst sortiert und ich empfinde es als glücklich und gut. Ich glaube gerade weil die „Basis“ geschaffen ist, ist es für mich Zeit darüber nachzudenken.

Woher dieser Wunsch und diese Sehnsucht käme, wurde ich gefragt. Was wäre, wenn ich keine Antwort fände? Ob es nur einen Sinn gäbe oder nicht verschiedene in den unterschiedlichen Lebensphasen? Warum ich über so etwas nach dächte, wo mein Leben doch gut sei?

constellate-32354-unsplashZu letzterer Frage machte ein guter Freund von mir einen witzigen und überaus treffenden Vergleich. Er sagte, es sei, wie wenn man fern sähe, und plötzlich schaue man in HD. 🙂 Genau so. Mein „Fernsehprogramm“ ist gut und abwechslungsreich. Und gleichzeitig, habe ich das Gefühl ich könnte auch in HD schauen. Gerade die einfachen und alltagstauglichen Vergleiche machen eine so abstrakte Sache wie den Sinn des Lebens ein wenig greifbarer.

Ich war schon immer ein Mensch, der sich viele Fragen gestellt, gezweifelt und gegrübelt hat. Damit habe ich meinen Frieden gemacht. Und auch hier gibt es Phasen in denen die Fragen drängender sind, als in anderen. Dazu passend fällt mir ein Gedicht von Rainer Maria Rilke ein. Gerne möchte ich mit einem Zitat von ihm schließen „Man muss Geduld haben / Mit dem Ungelösten im Herzen, / die Fragen selber lieb haben“. Amen. Nothing to add.

 

Bildnachweise: „Fragezeichen“ von Emily Morter, „TV“ von Constellate (Unsplash).
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